Könnt Ihr mal bitte mit den Diskussionen aufhören?

Zocker - langsam wird mir schlecht.
Mal wieder hat sich ein staatlicher Glückspielbeauftragter zum Thema Glücksspiel geäußert. Und mal wieder haben sich die die siamesischen Zwillinge Pokerolymp und Pokerfirma genötigt gefühlt, sich als Lobby für die Pokerindustrie zu profilieren.

Was ist passiert: Dieser Experte zum Thema Glücksspiel hat seine Bedenken geäußert, dass er Werbung von "prominenten Vorbildern" ala Boris Becker und Stefan Raab für Online Poker bedenklich hält. Zusätzlich möchte er, dass auch die glücksspielsüchtigen Automatenspieler in Spielhallen gesperrt werden. Soweit also nichts an den Aussagen des Mannes zu kritisieren. Aber - auweia - er hat Poker in einen Topf mit Glückspiel geworfen. Welch Frevel! Und wie auf Kommando kommen die beiden Hüttenkläffer der deutschen Casinolobby aus Ihren Löchern und bellen den Mond an.

Mal im Ernst, liebe Lobby: Es ist doch scheiß egal ob Poker ein Geschicklichkeits- oder ein Glückspiel ist. Tatsache ist, dass man abhängig werden kann!

Edit: 22.00
Natürlich sollte es jedem erwachsenen Menschen gestattet sein, seine Kohle nach Belieben zu verjuxen. Allerdings ist es doch mehr als bescheuert von der Pokerlobby, permanent davon zu reden, dass Poker ein ach so hammermäßiges skillgame ist. Mir geht dieser reflexartige Aufschrei auf den Sack, wenn mal irgendeiner wieder zum Thema "Poker ist Glücksspiel" philosophiert.

Und zum ersten Kommentar: Es sind halt nicht alles intelligente Pokerspieler. Die Mehrzahl sind nunmal loosing player. Und ein Teil dieser Leute wird abhängig. Punkt. Das wollte ich darstellen. Mir kommt nämlich dieser Aspekt zu kurz. Es ist das gute Recht der Pokerlobby, sich gegen das Glückspielargument zu stellen. Es geht mir aber darum, dass im Einklang mit dem Begriff "Geschicklichkeitsspiel" auch immer eine Verharmlosung mitschwingt. Viele Spieler können halt die theoretische Edge gegenüber anderen nicht ausnutzen - sonst gäb es ja nur Gewinner -. Und unter diesen permanenten Verlierern gibt es halt auch welche, die Abhängig werden.

Nur, weil es wahrscheinlich sehr viel mehr Automaten-/ und Lottospielsüchtige als Onlinepokersüchtige gibt, kann man doch bitte schön nicht die "etwas weniger gefährlichen "Geschicklichkeitsspiele" glorifizieren.

Ein Vergleich:
  • Lotto.de macht nur noch Werbung für die Lottoannahmestelle in der Nähe. Rechts oben in der Ecke als eyecatcher findet man ein Banner, welches auf eine Informationsseite zur Glückspielsucht verweist.
  • Fulltilt.de wirbt an gleicher Stelle mit einem 100% up to $600 Einzahlungsbonus

Kommentare:

  1. Dein Blog war immer sehr lesenswert. Was man in den letzten Wochen schon bezweifeln mußte. Doch nun habe ich allen Glauben daran verloren, daß Du ein halbwegs guter und intelligenter Pokerspieler bist.

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  2. Mein Gott, man kann auch vom Shoping, Autos, Sex, Alkohol, Zigaretten und allem anderen was spass macht süchtig werden.

    Kein Grund das alles zu verbieten. Aber das pöse Glücksspiel. Dem Staat ist es Scheiss Egal wenn die Leute Spielsüchtig werden, Hauptsache es wird in den "kontrolierten" Staatlichen Casinos ausgelebt, bzw. Lotto gespielt!

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  3. Mutig, mutig gegen den Mainstream in der Pokerszene zu schreiben...

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  4. Ich sehe das genauso wie Du. Ich war erst gestern wieder im Casino Live zocken.
    Wenn man dort den "Regulars" mal ein bisschen zuhört, kriegt man von den gescheiterten Existenzen schon was mit. Da laufen irgendwelche armen Schlucker mit ihrem hart (und wenig) verdienten Geld rein, verzocken es an den Pokertischen und betteln die anderen zum Teil um Knete an.
    Da kann mir keiner erzählen, dass die nicht süchtig sind. Ob die das beim Roulette verzocken (ca. 3,5% Bankvorteil) oder gegen Leute mit Skill (ROI wahrscheinlich weitaus niedriger als -3,5%) macht da keinen Unterschied, man geht eher schneller broke.

    Diese Leute haben nie etwas von BRM oder +EV/-EV oder sonstigem gehört. Die leben einfach vom Glücksgefühl, wenn sie mal gewinnen.
    Und beachtet, im Casino wird minimum NL 200, eher NL 400 gespielt. Um so etwas online erfolgreich zu zocken, braucht man schon enorm viel Skill.

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  5. Ok, mit kritischen Kommentaren muss ich rechnen. Aber es ist wohl ein bischen falsch rübergekommen und ich ergänze den Text wie folgt:

    "Natürlich sollte es jedem erwachsenen Menschen gestattet sein, seine Kohle nach Belieben zu verjuxen. Allerdings ist es doch mehr als bescheuert von der Pokerlobby, permanent davon zu reden, dass Poker ein ach so hammermäßiges skillgame ist. Mir geht dieser reflexartige Aufschrei auf den Sack, wenn mal irgendeiner wieder zum Thema "Poker ist Glücksspiel" philosophiert.

    Und zum ersten Kommentar: Es sind halt nicht alles intelligente Pokerspieler. Die Mehrzahl sind nunmal loosing player. Und ein Teil dieser Leute wird abhängig. Punkt. Das wollte ich darstellen. Mir kommt nämlich dieser Aspekt zu kurz. Es ist das gute Recht der Pokerlobby, sich gegen das Glückspielargument zu stellen. Es geht mir aber darum, dass im Einklang mit dem Begriff "Geschicklichkeitsspiel" auch immer eine Verharmlosung mitschwingt. Viele Spieler können halt die theoretische Edge gegenüber anderen nicht ausnutzen - sonst gäb es ja nur Gewinner -. Und unter diesen permanenten Verlierern gibt es halt auch welche, die Abhängig werden.

    Nur, weil es wahrscheinlich sehr viel mehr Automaten-/ und Lottospielsüchtige als Onlinepokersüchtige gibt, kann man doch bitte schön nicht die "etwas weniger gefährlichen "Geschicklichkeitsspiele" glorifizieren.

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  6. Früher mein Lieblingsblog, aber was ist los in letzter Zeit? Schaut bißchen so aus als wäre die Bonushure frustriert über die Entwicklung der eigenen Pokerkarriere...

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  7. Schönes Statement, ich freue mich auch über jeden Winning player der sein Leben davon bestreiten kann, das gibt mir Hoffnung! Aber es gibt kein Geld für diese "regulars" ohne die Fische die bezahlen. Denn das gewonnene Geld erhält man von anderen Spielern, die verlieren. Und Geschichten wo man NL 50 und 100 gerockt hat und durch Selbstüberschätzung dann alles auf höheren Limits verdonkt hat gibt es ja zuhauf.
    Schön das Du den Mut hattest hier mal etwas klarzustellen, Hüter des Bonus. Poker ist m.E. kein reines Glücksspiel aber ein Downswing kann jeden erwischen und Tilt ist auch beim vernünftigsten möglich.

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  8. Lass dich von den negativen Comments nicht einschüchtern. Dein Beitrag hier trifft ins Schwarze, voll.

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  9. Der einzige Grund, warum Lotto nicht mehr so agresiv wirbt ist der Glücksspielstaatsvertrag, also die derzeit einzige Existensberechtigung für Lotto. Wenn dieser Vertrag kippen würde (was das einzig richtige wäre) würde Lotto vermutlich innerhalb kürzester Zeit pleite sein. Keine Private Institution kann sich kosten leisten wie sie bei Lotto derzeit üblich sind. Und Jeder "Glückspielsüchtige" ist besser beraten Poker zu spielen als Lotto, der EV beim Pokern ist nämlich selbst gegen Daniel Negreano besser als beim Lotto! (und der Rake ist geringer)

    Bei allem anderen Ausführengen jedoch stimme ich Dir zu.

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  10. Hallo,

    ich kann Deinen Ausführungen weitestgehend zustimmen. PokerOlymp und PokerFirma haben in der Sache natürlich Recht: Poker und z.B. Automatenspiel, Roulette oder Lotto darf man nicht so einfach über einen Kamm scheren, dafür sind diese Spiele hinsichtlich des Glücksfaktors und Suchtgefährdungspotenzials einfach zu verschieden. Der Typ von der bayrischen Landesstelle Glücksspielsucht ist allerdings auch - eben wie PokerOlymp oder Pokerfirma - ein Lobbyist und muss in seiner Rolle als Leiter einer staatlichen Einrichtung natürlich einen entsprechenden Standpunkt einnehmen. Ich verstehe auch gar nicht warum man so dahinter her ist, Poker als Geschicklichkeitsspiel anerkennen zu lassen? Sobald Poker legalisiert ist, müssen Gewinne daraus versteuert werden! Und wenn das so ist, dann ist es vorbei mit winrates von +3BB/100. Dann greift sich nämlich der Staat einen Teil ab!

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