Wie lernt Ihr Poker?

Zocker,

heute ein paar Zeilen zum Thema "Verbesserung des eigenen Spiels".

Ich habe ja nie einen Hehl daraus gemacht, dass ich Pokerstrategy als beste Pokerschule auf dem Markt ansehe. Mittlerweile mache ich da aber eine kleine Einschränkung: "1. Gilt für Anfänger. 2. Gilt für Fortgeschrittene/Profis, die sehr viel spielen".

Als Anfänger ist man bei PS bestens aufgehoben. Man bekommt tonnenweise Material, Coachings, Software etc. zur Verfügung gestellt. Möchte man allerdings Einblick in tieferen Fortgeschrittenen Content, so bekommt man den nur, wenn man viel spielt und viele/ sehr viele Strategy Points erspielt.

Mir fehlt diese Zeit zum Zocken einfach, trotzdem habe ich Interesse, mich mit den höheren Weihen der Pokermaterie zu beschäftigen. (Ob sie bei mir fruchtet, sei mal dahingestellt.) Also habe ich für mich eine andere Möglichkeit gefunden, den ein oder andern guten Hinweis zu erlangen. Blogs! Und da gibt es doch mittlerweile ein paar ganz gute Quellen. Sogar bei Intellipoker :-) Georg Danzer z.B. oder aber auch Michael Keiner geben in Ihren doch recht kurzweiligen Veröffentlichungen den ein oder anderen Tip, den ich als Otto-Normal Spieler so gar nicht kannte.
Natürlich bekommt man dort keine mathematische Erläuterung fürs Spiel auf Flop/ Turn/ River, aber alleine die kurze Erwähnung eines "Fachbegriffs" wie bespielsweise "floaten" regt meine verbliebenen Gehirnzellen soweit an, dass ich es beim nächsten online-Versuch mal einfach ausprobiere. Learning by doing.
Eddy Scharf auf Overcards verzichtet hingegen komplett auf den theoretischen Quatsch, dafür bekommt man hier fast schon philosophische Frotzeleien geliefert. Gerade die Beschäftigung mit Gegensätzen bringt einen aber weiter.

Ist mit Sicherheit nicht der Königsweg, um sein Spiel zu verbessern, aber wenn man wie ich viel zu faul/doof/langsam für Mathe geworden ist, durchaus eine Option. Bei mir scheitern andere Wege des Lernens nämlich meist an folgenden Umständen:
  • Zu faul Handhistories in Foren zu posten. Zumal die Antworten oftmals widersprüchlich sind bzw. man gar nicht die kompletten Rahmenbedingungen in seinen Post reinbekommt. Trotzdem natürlich mit die beste Methode, um sein Spiel zu verbessern.
  • Zu langsam, um odds richtig auszurechnen, zu discounten etc. Dieses Problem dürfte nicht unbekannt sein. Man bekommt es eigentlich nur mit Fleiß in den Griff. D.h. man müsste theoretisch die Hand nachanalysieren und alles korrekt ausrechnen. Wenn man das viele tausend mal gemacht hat, dürfte sich irgendwann das richtige Gefühl einstellen, um so eine Situation auch ohne Rechnerei richtig zu bewerten. Da bin ich aber einfach nicht fleißig genug für.
  • Pokerstove nutzen. Pokerwer? Was ist das? Genau - lassen wir es einfach. Ebenfalls zu faul für.
  • Pokervideos gucken: Öhm.... Ich guck ganz gerne High Stakes Poker mit Farha und Brunson. Das wars aber auch schon.
  • Online Coaching: Sorry, aber gleichzeitig 4 Tische auf Full Tilt FL 0.25/0.50. Da lern ich nix. Macht doch mal ein Coaching mit einem Tisch, wo man viel tiefer auf einzelne Hände oder aber auch die Gegner eingehen kann. Überhaupt immer dieses Multitablen...Multiraken sollten die Erfinder es einfach nennen.
  • Bücher lesen: Hab ich gemacht. Super System von Doyle Brunson sollte reichen. Abgesehen von Spezialliteratur steht im Rest doch meist nur Wiedergekäutes drin. Und die wenigen Neuerungen, z.B. die Zoneneinteilung bei SNG findet man online.
  • (Starting) Hand Charts auswendig lernen. Ich gebe zu, selbst das schaffe ich nicht mehr. Natürlich hab ich mir schon unzähliges an Chartmaterial reingezogen, aber mittlerweile spiel ich da eher "nach Gefühl". Ob ein preflopcall bei FL bei 2 Spielern im Pot, ich in late position mit pocket 3, mathematisch korrekt ist, weiß ich einfach nicht (mehr). Anfangs hatte Strategy ultratighte Starting Hand Charts für FL, mittlerweile sind diese angepasst worden. Da kommt man doch völlig durcheinander. Aber auch ein Beweis, das man alles den Gegnern anzupassen hat. Meine eigene Faustformel: Ihr solltet im Hinterkopf ein übliches Startinghandchart haben, den Rest macht Ihr vom Gegner und von der PFR Rate des Tisches abhängig. Und ehrlich gesagt, bei 5 Spielern im Pot spiele ich jede Hand :-)
Hui, jetzt bin ich aber über meinen eigenen Post erschrocken. Echter Content. Was macht Ihr denn so, um Euer Spiel zu verbessern?


Kommentare:

  1. Ich hatte Anfang letzten Jahres mal so grob all meine Pokerergebnise aufaddiert und bin zu einem erschreckenden Resultat gekommen. SnG roi +12% und Cash Game roi -20%.
    Der Anteil ca 80% sng und 20% Cash.
    Dann habe ich mir ein Schild geschrieben und am PC groß drangehängt. " KEIN CASHGAME"

    Also habe ich meine Spielerergebnise entscheident verbessert in dem ich mich für eine Variante entgültig entschieden habe. SNG´s

    Ja und zu dieser Variante habe ich mir dann die Grundlektüre zu sng´s vom Collin Moshman reingezogen.

    Darüberhinaus mit dem ICM Tool von PS das Push and Fold geübt und mir als Ziel sicher die 97-98% zu erreichen.
    Im Augenblick schaffe ich ab und an die 94-95% aber es kann auch sein das ich mich nicht immer 100% konzetriere.

    Zum Hände analysieren und in Foren reinhängen schnick schnak habe ich keine Lust weil was nützt es mir wenn ich einen verlorenen Pusch mit AKs gegen AQo poste??
    C´est la vie de POKER
    Gruß Jürgen

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  2. ja, da hast Du mir ja mal aus der Seele gesprochen, Handposting schnickschnack gibt sowohl beim Lesen als auch selberposten eine Unmenge an "Content" von selbsternannten Pros, der sich auch noch widerspricht. Videos als Coaching sind mir auch oft zu verwirrend, wie Du schon geschrieben hast, gucke lieber Poker After Dark als Unterhaltung. Bücher lesen wie Harrington, Moshman und Sklansky hat am Meisten gebracht vom theoretischen Aspekt her, aber eigentlich ist es das Spielen und aufpassen am Tisch was einen liftet! Mit Gegner, Odds, Position, Stacks und dem Nachdenken darüber ergeben sich eine Menge Ideen und eigene Konzepte. Ein bisschen Mathe und Bauchgefühl ergibt dann doch viele Verbesserungen und Fehlervermeidungen.
    Bei 5 Leuten im Pot spiel ich auch jede Hand, im FL garantiert mit Raise um beim Treffer richtig zu kassieren oder andere postflop rausdrücken zu können, da er ja offensichtlich geschlagen ist ;-)!

    Dein Blog ist übrigens wirklich gut, habe das Bonusabgreifen hier gelernt und im September angefangen. Bin sehr gut zufrieden, kein Riesen-Winning-Player aber mit Ipod als Bonus recht glücklich.

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  3. Bücher lesen ist nuetzlich, ganz klar um die Grundtheorie zu beherrschen, aber nur eines nuetzt, spielen, spielen, spielen, verbunden mit nachtraeglichen Handanalysen kommt das Gefühl von selber.

    Man muss das Feeling fuers Spiel und die Situationen entwickeln, nicht jede Spielsituation ist mathematisch zu lösen, da es oft zu viele Faktoren gibt die zu berücksichtigen sind und oft nicht klar definiert werden können.

    Man sollte auch nicht alles glauben was in Foren geposted wird und stur alles nachspielen was in den Büchern steht, das machen eh schon 90% der Leute. Eigenen Stil entwickeln, und auf Reads fokussieren bringt meiner Meinung nach sehr viel

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  4. Jo Meister,

    schönes Post. Trifft den Nerv, ich bin auch für vieles einfach zu faul. Das meiste haben mir echt div. Bücher gebracht. Am Besten fand und finde ich die Harrington Bücher sowie "Poker-Matrix", die Kapitel von Busser, Taktlos und auch Katja Thater sind ziemlich gut geschrieben.

    Ansonsten...Wir werden doch jeden Tag im Netz im Chat mit Typen kopnfrontiert die nach einer verlorenen Hand weinen und erzählen was das gerade für ein Donkmove war. Wenn ich mir dann die Stats dieser LEute angucke muss ich Lachen :-) Klar sollte Mensch wissen was Pott Odds sind aber viel wichtiger ist es doch das Board interpretieren zu können. Mathe hin Mathe her und ausserdem hab ich genug Kohle und will ab und an einfach zocken und wenn es rappelt drücke ich auf "auscashen" und fahre in den Puff und feiere bei einem Dreier mit zwei sexy Latinas alles andere ist doch Murks.

    Grüße

    Toxic

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  5. Besten Dank fürs Feedback!
    @ Jürgen/Boebest: Ja- SNGs sind im Super System natürlich nicht drin. Und ICM Tool von PS ist auch gut! Den Moshman kenn ich nicht, hab mir die SNG Theorie komplett aus dem Internet gezogen.
    @ Hackedull: "Feeling" ist evtl. ein bischen irritierend als Wort. "Feeling" beschreibt die Mischung aus Mathe/ Gegnerverhalten/ bisheriger Spielverlauf/ Bücherwissen/ Erfahrung usw.
    @ Toxic: Mein Spruch lautet immer: "Faulheit denkt scharf"

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  6. Ich mache eigentlich alles ein bißchen:
    1.Bücher lesen: Gerade lese ich Phil Gordons little Book, ideal vor dem Einschlafen mal ein Kapitel lesen
    2. Videos bei PS kucken.
    3.Live Coaching bei PS sind gelegentlich interessant.
    4. ICM Trainer von PS/Pokerstove.
    5. Was mir auch etwas gebracht hat war das Programm Pokerhound mit Real Time Nash.Wer es nicht kennt: Vereint eigentlich alles , was man für gutes SNG Spiel braucht: Statistiken der Spieler, Fürs Endspiel NRT, Berechnet Wahrscheinlichkeiten ,Pod Odds. So bekommt man "ein Gefühl" fürs Spiel , was richtig ist. Leider ist es mittlerweile weitgehend verboten.

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  7. wow, fische, nice1.

    Mach weiter so bitte :D

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  8. hmmm...ich denke pokerstrategy ist ein ganz netter zeitvertreib für zwischendurch...mehr sicher nur für leute die monsterviele punkte erspielen, besser ist da intelli, denke ich, alle bekommen den gleichen kontent....aber eines ist doch klar: ein winning player ist man deshalb noch lange nicht....ich denke nach vielen büchern, la klar, ohne die fundierte theorie geht es gar nicht, richtig gut wirst du nur durch viel spielen und viel nachdenken...

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  9. Cardrunners hat mein Spiel auf neues Niveau gehoben, keine Frage - und wer das Ziel hat irgendwann die Midstakes zu schlagen braucht auch die Zeit und Musse für die Disziplin. Nicht das ich mich generell als Pokergott einschätzen würde aber wenn ich höre, zu Faul für Pokerstove, wow, ich bin zu faul für Boni, ist da mein Leak?

    Gruß
    Luckydealer

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  10. Luckydealer: Naja, Pokerstove ist aber auch echt nur was für Leute mit Interesse/Fleiß und ausgeprägtem Verständnis für Mathe.
    Bonusangebote kann jeder mit gesundem Menschenverstand/ Portion Bauernschläuge/meinem Blog abgrasen.

    So hat jeder seine Leaks.

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  11. Hallo BH,
    finde mich in Deinem Post ziemlich wieder.
    Allerdings brauche ich jetzt keine SHC mehr auswendig zu lernen ... da gibt es nämlich LongHud (-> Google) - funktioniert mindestens für PP und Stars aber noch andere).
    Da die Charts sogar selber editiert und ergänz werden können, kann mach sich z.B. auch Charts für S&G, ... zusammen bauen.
    Kleines Goddie dazu: PotOdds werden real-time angezeigt. Bleibt also nur noch die Outs zu zählen und per Faustformel in Odds zu transformieren ... und weil das simple Multipikation mit 2 oder 4 ist und ggf. noch +1 oder -1 ... bekomme ich das sogar einigermassen in der zur Verfügung stehenden Zeit hin.
    Ansonsten habe ich Spass bei PP NL10 ... wozu noch groß was lernen, wenn's +EV ist :-)

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